Bingen 23.09.2010: Auf Einladung der FDP referierte der mit 23 Filmpreisen ausgezeichnete Wirtschaftsjournalist Günter Ederer über die großen Herausforderungen in diesem Jahrzehnt. Im Stefan-George-Haus in Bingen konnten über 50 Zuhörer Hintergründe über die letzte Wirtschaftskrise, eine kaum noch beherrschbare Verschuldung öffentlicher Haushalte und die gravierenden Folgen des demografischen Wandels erfahren. Über allem schwebt im Ringen um die richtigen Antworten und Konzepte die Frage, mehr Markt oder mehr Staat. Für Ederer gibt es keine Zweifel: „Arbeitsplätze und Wohlstand kann kein Staat beschließen oder anordnen.“ Leider seien die Deutschen sehr staatsgläubig. Man habe sich in der Geschichte oftmals eher für die Fremdbestimmung durch einen starken Staat, statt für die persönliche Freiheit und das eigene Engagement entschieden.
Dass der Staat dabei irgendwann pleitegehe, sei für ihn keine Überraschung. Vor allem das linke Parteienspektrum würde den Menschen vorgaukeln, der Staat treffe für sie die richtige und gerechte Entscheidung. Ederer: „Weit gefehlt, zukunftssichere Arbeitsplätze und damit Wohlstand von Morgen können keine weisen Bürokraten, sondern nur Unternehmen im Wettbewerb mit klaren staatlichen Rahmenbedingungen schaffen.“ Hier sei mehr Markt und nicht mehr Staat erforderlich. Die Soziale Marktwirtschaft ist für ihn ohne Alternative. Die größten Risiken in diesem und kommenden Jahrzehnt sieht Ederer im demografischen Wandel. Heute schon fehlten in vielen Bereichen die Spezialisten und Fachkräfte. Hunderttausende junge Menschen werden auch in diesem Jahrzehnt zu wenig geboren und ausgebildet. Das Problem werde aber weiter verschärft. Derzeit wanderten jährlich 150.000 hoch qualifizierte Deutsche wegen größerer Chancen, mehr Freiheit und geringeren Steuerbelastungen ins Ausland ab, so Ederer. Immer weniger junge Menschen müssten in wenigen Jahren gigantische Renten-, Pensions- und Schuldenlasten erwirtschaften. Nur mit mehr Bildung, Forschung und einer hochproduktiven Wirtschaft könnten diese Lasten bewältigt werden. Das erfordert nicht mehr Staat, sondern von jedem mehr Eigenverantwortung sowie mehr Freiraum für diejenigen, die den Karren ziehen, so Ederer. Aus diesem Grund müsse auch das komplizierteste Steuersystem der Welt drastisch vereinfacht werden; es sei ungerecht, da nur die Profis davon profitierten. Zuletzt thematisierte Ederer die Notwendigkeit einer sicheren und noch bezahlbaren Energieversorgung. Auch hiervon hänge der Wohlstand in der Zukunft ab. Eines müsse man mal deutlich sagen: „Mit Photovoltaikanlagen auf Dächern leisten wir einen Beitrag, aber nicht zur wirksamen Reduzierung der CO2 Belastung, sondern nur zu einem höheren Strompreis, den der Nachbar ohne Anlage bezahlen muss.“ Vor diesem Hintergrund fordert Ederer mehr Ehrlichkeit und objektive Informationen in der Energiepolitik. Außer den nicht Belehrbaren würde keiner für 50 Cent/kWh regenerative Energie kaufen, da diese aus modernen Anlagen für 2,2 bis 6 Cent/kWh mit keiner oder nur geringer CO2 Belastung gewonnen werden könne. Abschließend forderte Ederer die Gemeinden mit den hoch subventionierten regenerativen Anlagen auf, den Bürgern die erwirtschafteten Erlöse zur Minderung ihrer Stromrechnung zu erstatten.
Nach einem interessanten Abend dankten der FDP Kreisvorsitzende Jörg Berres und der Verbandsvorsitzende Michael Hanne dem Referenten für den engagierten Vortrag, der klare Positionen nicht vermissen lies.














